Eisbären

5:6 im Spitzenspiel – die Eisbären werden um einen Punkt gebracht

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Torraumabseits_oder_nicht

Lange, verständnislose Gesichter gab es am Sonntag abend im Lager der Eisbären Heilbronn nach der 5:6 (2:0, 0:2, 3:4)-Niederlage gegen die Bietigheim Steelers Amateure. Auslöser war die oben abgebildete Szene 13 Sekunden vor dem Spielende, als die Eisbären den vermeintlichen Ausgleichstreffer erzielten, der vom Schiedsrichter wegen Torraumabseits jedoch nicht anerkannt wurde. War Igor Filobok tatsächlich im Torraum als der Puck (roter Kreis) den Weg ins Tor fand? Bilder sagen mehr als Worte…

Dabei hatte für die Eisbären alles so gut angefangen. Igor Filobok (10. Minute) und Alexander Keterling (17.) hatten in einem überlegen geführten ersten Drittel eine verdiente 2:0-Führung heraus geschossen. Auch nach der ersten Pause bestimmten die Hausherren das Spiel, jedoch versäumten sie es, ihre Chancen in Tore umzumünzen – und das sollte sich rächen. Nach einer halben Stunde kamen die Gäste immer besser ins Spiel und Goalie Tobias Amon musste ein paarmal Kopf und Kragen riskieren. In der 36. Minute war aber auch er chancenlos, und Arthur Gross konnte auf 2:1 verkürzen. Doch damit nicht genug: Marco Windisch gelang in der 39. Minute gar noch der 2:2-Ausgleich.

Im Schlussdrittel bekamen die 800 Zuschauer dann alles geboten, was ein Eishockeyspiel ausmacht: Schnelles Eishockey, sieben Tore, überkochende Emotionen und fliegende Fäuste. Aber der Reihe nach…

Die Eisbären kamen wesentlich zielstrebiger aus der Kabine als noch im mittleren Spielabschnitt. In der 42. Minute fing Arno Metz an der gegnerischen blauen Linie einen missglückten Aufbaupass der Gäste ab, schaltete blitzschnell und bediente Manuel Pfenning. Der leitete die Scheibe direkt zu Sven Breiter weiter, der wiederum den heranpreschenden Leo Kreps so mustergültig bediente, dass dieser unbedrängt zum 3:2 einschießen konnte. Als in der 46. Minute dann Benjamin Brozicek auch noch auf 4:2 erhöhte, schien die Messe gelesen zu sein.

Doch dann wurde das Spiel auf den Kopf gestellt. Erst verkürzte Marco Windisch in der 48. Minute in Überzahl auf 4:3. Dann kassierte Sven Breiter eine umstrittene Strafe wegen Ellbogencheck, die wiederum Windisch zu seinem dritten Treffer zum erneuten Ausgleich nutzte (54.). Doch damit waren die Eisbären noch nicht genug gestraft, denn beim Gegentreffer war Felix Kollmar bei einem unkorrekten Körperangriff beobachtet worden, so dass die Eisbären auch nach dem Ausgleichstreffer weiter in Unterzahl antreten mussten.

24 Sekunden später musste Tobias Amon einen eher harmlosen Schuss von Arthur Gross zum 4:5 passieren lassen – ein Treffer, der den Goalie derart erzürnte, dass er vom Eis ging und seinem Backup Anton Lukin Platz machte.

Die Eisbären warfen nun alles nach vorne, um irgendwie noch zum 5:5 zu kommen. Als auch der Bietigheimer Timo Quast zweieinhalb Minuten vor dem Ende für zwei Minuten vom Eis musste, lag der Ausgleich in der Luft. 1:19 Minuten vor dem Ende nahmen die Eisbären-Coaches Manuel Pfenning und Sascha Bernhardt Lukin zugunsten eines sechsten Feldspielers vom Eis, was sich nur elf Sekunden später rächen sollte: Willi Gross traf zum 4:6 ins leere Tor.

Doch die Zuschauer, die nun ihre Plätze verlassen hatten und sich auf den Heimweg machen wollten, waren noch nicht weit gekommen, da keimte wieder Hoffnung auf. Nur zehn Sekunden nach dem 4:6 verkürzte Youngster Moritz Muth mit seinem ersten Saisontor in Überzahl auf 5:6.

Nun war das Momentum auf der Seite der Eisbären, die jetzt nochmal alles nach vorne warfen – und 13 Sekunden vor dem Ende durch einen Treffer von Neuzugang Claudio Schreyer tatsächlich das viel umjubelte 6:6 erzielten. Was nun folgte, waren hitzige Diskussionen und Rangeleien, Proteste der Steelers, minutenlanges Warten – und die Entscheidung, dass Igor Filobok beim 6:6 im Torraum stand und der Treffer deshalb irregulär war. Womit wir wieder bei unserem Einstiegsfoto wären, das unser Fotograf Marcel Tschamke just in dem besagten Moment ablichtete. Torraumabseits oder nicht – es bleibt jedem selbst überlassen, sich darüber eine Meinung zu bilden.

Auch wenn die Eisbären in den verbleibenden 13 Sekunden versuchten das Wunder zu erzwingen – der verdiente Punkt war weg. Was nun folgte, waren nach Spielschluss Provokationen der Bietigheimer Spieler gegenüber den Heilbronner Fans sowie einige „Brandherde“ auf dem Eis, die mit den Fäusten ausgetragen wurden und die John Kraiss eine Spieldauer-Disziplinarstrafe und dem Bietigheimer Timo Härkönen eine Matchstrafe einbrachten.

Doch auch wenn die Eisbären durch die Szene am Ende um einen sicheren Punkt gebracht wurden, muss man feststellen, dass man das Spiel bereits im zweiten Drittel verloren hat. Statt den 2:0-Vorsprung auszubauen, hatte man diesen leichtfertig verspielt und war erst deshalb in die Situation geraten, bei einem engen Spiel am Schluss noch die Kohlen aus dem Feuer holen zu müssen.

Durch die Niederlage sind die Eisbären nun wieder vom ersten auf den dritten Platz zurückgefallen. Jetzt folgen gleich drei Auswärtsspiele in Folge – keine leichte Aufgabe, zumal der nächste Gegner am kommenden Sonntag Zweibrücken Hornets heißt.