Eisbären

6:4-Sieg gegen Hügelsheim – 1260 Euro gespendet – Tumulte auf den Rängen

Veröffentlicht

1.544 Zuschauer erlebten am Freitag beim 6:4 (2:0, 1:3, 3:1)-Sieg der Eisbären Heilbronn gegen die Baden Rhinos Hügelsheim einen denkwürdigen Eishockey-Abend: Soziales Engagement, spannendes Eishockey, krachende Checks, zehn Tore und am Ende gar die Kuriosität „technisches Tor“ – aber leider im letzten Drittel auch Tumulte auf den Rängen, nachdem Eisbären-Spieler auf dem Weg zur Kabine von Personen aus dem Hügelsheimer Fanblock tätlich angegriffen worden waren.

Die Eisbären setzten zu Beginn genau dort an, wo sie in der Woche zuvor in Bietigheim aufgehört hatten. Sie spielten schnelles Eishockey mit intensivem Forechecking und schnürten die Gäste erstmal in deren eigenem Drittel ein. Genau durch diesen Druck auf den scheibenführenden Gegenspieler kam dann auch in der 11. Minute das 1:0 zustande. Manuel Weibler luchste in Unterzahl an der eigenen blauen Linie einem Hügelsheimer Spieler die Scheibe ab und sprintete ins gegnerische Drittel. Nach einem kurzen Doppelpass mit Axel Hackert vollendete Weibler überlegt zum 1:0. Auch das 2:0 in der 14. Minute ging auf Weiblers Konto.

Gleich zu Beginn des zweiten Drittels hätten die Eisbären alles klar machen können. Doch zuerst vergab Sven Breiter einen Penaltyschuss (22), dann traf Leontin Kreps das leere Tor nicht (23.). Besser machte es in der 27. Minute Stefan Schrimpf (Foto), der in Überzahl einen Weibler-Pass zum 3:0 verwertete.

Doch die vermeintlich sichere Drei-Tore-Führung hielt nicht lange. Dennis Walther (28.), Björn Groß (32.) und Raphael Diebold (35.) drehten das Spiel mit ihren Toren innerhalb weniger Minuten, so dass aus dem 3:0 plötzlich ein 3:3 wurde. Die Gäste waren nun das klar bessere Team, während die Eisbären zusehends im eigenen Drittel festgenagelt wurden. So sehr wie in diesem zweiten Drittel hatte man in Heilbronn schon lange keine Pause mehr herbei gesehnt.

Auch zu Beginn des Schlussdrittels behielten die Rhinos die Oberhand, doch die Gastgeber berappelten sich von Minute zu Minute mehr. In der 51. Minute war es dann Sven Breiter vorbehalten, das viel umjubelte 4:3 zu erzielten. Der Topscorer der Eisbären, der zuvor einige sehr harte Checks hatte einstecken müssen, legte seine ganzen Emotionen in diesen Schuss, der wie ein Strich im gegnerischen Netz einschlug. Als kurz darauf Marc Bruns die gegnerischen Reihen austanzte und zum 5:3 einschoss (52.), drehte sich die Partie zu Gunsten des Tabellenführers.

Doch dann rückte in der 53. Minute das sportliche Geschehen für einige Minuten in den Hintergrund. Wieder einmal hatte Sven Breiter einen überharten Check einstecken müssen, bei dem ihm nicht nur die Luft weg blieb, sondern auch eine Kontaktlinse im Auge verrutschte. Gestützt auf seinen Mitspieler Arno Metz fuhr Breiter vom Eis um in die Kabine zu gehen. Dabei musste er außerhalb der Eisfläche den Block der Hügelsheimer Zuschauer passieren – was einige von diesen dazu nutzten erst mit vollen Bierbechern nach ihm zu werfen und ihn dann tätlich anzugreifen. Sofort eilten ihm sowohl der Ordnungsdienst als auch seine Mitspieler zu Hilfe, wodurch sich direkt vor dem Gästeblock ein größerer Tumult bildete. Einige dieser Personen, die vorgeben Eishockeyfans zu sein, die in Wirklichkeit aber nur dem ESC Hügelsheim schaden wollen, wurden der Halle verwiesen, was sie dazu veranlasste noch weiter zu provozieren und weitere Rangeleien anzuzetteln.

Als die Begegnung nach ca. einer Viertelstunde Pause wieder angepfiffen wurde, mussten sich die Cracks beider Teams erstmal wieder fangen, um diese Szenen zu verdrängen. Die Baden Rhinos versuchten die Gunst der Stunde zu nutzen und den Anschlusstreffer zu erzwingen – was ihnen knapp fünf Minuten vor dem Ende durch Cedrick Duhamel auch gelang. Die Gäste gingen nun aufs Ganze und nahmen ihren Goalie zugunsten eines sechsten Feldspielers vom Eis. Der Ausgleich jedoch sollte nicht mehr fallen. Vielmehr machten die Eisbären durch ein „technisches Tor“ von Benjamin Brozicek zum 6:4 15 Sekunden vor dem Ende den Sack zu. Der Stürmer wurde – einschussbereit auf das leere Tor zulaufend – von hinten gefoult, wodurch ein sicheres Tor verhindert wurde. Das Regelbuch sieht hierfür die Anerkennung eines „technischen Tors“ vor.

Trotz der unschönen Szenen stand für die Eisbären an diesem Abend der soziale Aspekt im Vordergrund. Durch die Eintrittsgelder, ein Gewinnspiel sowie Spenden im Stadion kam für das Musikprojekt „Handle with Care“ der Offenen Hilfen Heilbronn für Menschen mit geistiger Behinderung eine Spendensumme von stolzen 1.260 Euro zusammen.

Eisbären-Vorstand und -Trainer Kai Sellers bedankte sich nach dem Spiel bei den Spendern: „Es macht uns stolz, dass die Eisbären-Fans wieder so eine hohe Spendenbereitschaft an den Tag gelegt haben und wir Handle with Care mit unserer Aktion helfen konnten“, sagte er im Rahmen der Pressekonferenz, bei der auch die behinderten Musiker und ihre Familien anwesend waren.

Durch den Sieg haben die Eisbären nun den ersten Platz der Regionalliga-Hauptrunde sicher inne. Nun stehen noch Begegnungen in Schwenningen, zuhause gegen Zweibrücken sowie in Eppelheim bei den Rhein-Neckar Stars an, ehe am ersten März-Wochenende die Playoffs beginnen.