AUF EIN WORT, HEADCOACH! Interview mit Thomas von Euw

HEC: Du arbeitest seit gut einem Monat für den Heilbronner Eishockey Club, wie sind deine ersten Eindrücke.

 

T.v.E.: Die ersten Eindrücke waren sehr positiv. Natürlich wurde mir in vielen Gesprächen auch bewusst, dass wir viel Arbeit vor uns liegen haben. Ich habe jedoch vollstes Vertrauen in meinen Staff und die Führung, dass wir das gemeinsam in eine gute Richtung bringen. Nachwuchsarbeit ist ja nie «zu Ende», sondern Du steckst immer irgendwo zwischendrin, aber das hat auch was gutes, denn bekanntlich setzt ein rollender Stein kein Moos an.

HEC: Was waren die Beweggründe in Heilbronn das Amt des Cheftrainers zu übernehmen?

T.v.E.: Ich hatte sehr gute und offene Gespräche mit dem abgetretenen Vorsitzenden Timo Dietz sowie Norman Kuckert, welche mich zusammen mit Paul Heckmann und Kai Sellers, welcher das schwere Amt des Vorsitzenden übernommen hat, sofort begeistert haben. Wir haben sehr gute Voraussetzungen hier in Heilbronn im Vergleich zu dem meisten anderen Vereinen in Deutschland, natürlich fehlen zu den Top Standorten noch ein paar Prozentpunkte, gerade was eine 2te Eisfläche betrifft, wo uns andere Standorte sicherlich noch einen Schritt voraus sind, aber ich schätze die Möglichkeiten in Heilbronn als sehr gut ein, und darauf sollten und will ich aufbauen, und den eingeschlagenen Weg mit viel Konsequenz weitergehen.

HEC: Wie sehen deine Ziele kurz- und mittelfristig für die Nachwuchsabteilung aus?

T.v.E.: Kurzfristige Ziele und Nachwuchs ist schon fast ein Paradox, aber Priorität will ich die Rekrutierung auf ein hohes Niveau bringen, ich schaue nach vorne, sehe aber Stand heute, dass wir in vielen Teams knappe Kader oder auch zu wenige Spieler haben, und das ist schade für diesen tollen Sport. Das ist jedoch kein Selbstläufer und die Rekrutierung fangt faktisch jedes Jahr wieder bei Null an, da wir jedes Jahr versuchen sollten 20-30 Kinder für unseren Sport zu begeistern. Mittelfristig möchte ich den Standort Heilbronn dahin bringen, wo wir uns gefühlt und vom Image noch aufhalten, wir sollten fähig sein, mit unserer U17 in der Bundesliga mitzuhalten, und damit die Basis für ein DNL Team schaffen. Den Kinder und Jugendlichen ein Umfeld bieten, welches ihnen erlaubt sich weiterzuentwickeln und möglichweise auch Spieler, welche das Talent und Bereitschaft haben, soweit zu fördern, dass diese auch mal DEL2 oder DEL spielen können. In dieser Entwicklung wäre dann auch das DEB Sterne Programm abgebildet, welches uns mal mit 2 später 3 Sternen belohnen sollte, bevor wir einen Angriff auf mehr Sterne starte, müssten sich die Strukturen schon auch entsprechend mit entwickeln. Da ab 3 Sternen das ganze sehr teuer wird.

HEC: Wie würdest du dich selbst als Trainer bezeichnen?

T.v.E.: Ich versuche die positiven Einflüsse welche ich in meiner Spieler, Berufs und Trainerkarriere mitgenommen habe irgendwie gewinnbringend einzusetzen. Das heisst ich habe «altmodische» Züge, gerade was den Umgang untereinander und die Disziplin angeht, was «Werte» angehen welche einen erfolgreichen Teamsportler ausmachen, denn ein guter Eishockeyspieler ist noch lange kein erfolgreicher Teamplayer, und letztendlich ist es das Team welches gewinnt oder verliert. Ich bin kommunikativ, denn ich denke, ein Coach hat resp. muss immer einen Grund haben, weshalb er eine Entscheidung trifft, und ich gebe dann auch Feedback. Ich bin ehrgeizig, nicht im Sinne, dass ich Spiele gewinnen will, denn Siege sind immer das Produkte der Arbeit, sondern ehrgeizig im Weg dahin, also ehrgeizig die Spieler zu fördern, sie mit den Skills vertraut zu machen, welche es braucht um Eishockey zu spielen, und sie auf diesem Weg auch versucht mit den Werten vertraut zu machen welche es benötigt, ihnen aber auch die Freiräume gibt diese Skills und Werte zu testen, eigene Erfahrungen zu machen und die Verantwortung für diese zu übernehmen. Ich habe mit der Zeit auch verstanden, dass lange nicht alle Kinder, Jugendlichen und Eltern, diesen Sport mit der gleichen Liebe und Leidenschaft betreiben wie ich, ich nehme mich deshalb nicht mehr als Benchmark.

HEC: Worauf legst du besonderen Wert?

T.v.E.: Besonderen Wert lege ich auf Disziplin, Pünktlichkeit, Anstand und Fairplay, auf Ehrlichkeit und Verlässlichkeit, also auf Dinge die man heute wohl «soft skills» nennen würde, in dieser Beziehung bin ich der alten Schule anzurechnen. Aber ich bin kein Fanatiker, ich verstehe, dass wir es mit vielen Individuen zu tun haben, welche alle irgendwo auch unterschiedlich «ticken».

HEC: Zum Abschluss: Welche Worte möchtest du an die Spieler und Eltern richten?

T.v.E.: Ich hoffe, dass alle Spieler und Spielerinnen, sowie die Eltern und Staff ganz lange mit dem besten Sport der Welt in Berührung bleiben, am liebsten aktiv als Spieler oder Trainer beim HEC, dass alle viel Spass haben bei dem was wir machen, dass alle Spieler und Spielerinnen verletzungsfrei bleiben, und diese irgendwann mal, nach Abschluss ihrer Karriere zurückblicke und sagen «Heilbronn war ne geile Zeit».