Eisbären

Playoff-Drama gegen Ravensburg – Eisbären drehen verloren geglaubtes Spiel

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„Lass den Kai erstmal in Ruhe, der ist fix und fertig“, sagte Axel Hackert nach dem ersten Playoff-Spiel der Eisbären Heilbronn gegen den EV Ravensburg bei der Pressekonferenz im VIP-Raum zu Moderator Hagen Merz. Doch nicht nur Trainer Kai Sellers, sondern die meisten der nur etwas mehr als 300 Zuschauer waren nach dem 6:5 (1:0, 1:3, 4:2)-Sieg der Eisbären mit den Nerven am Ende. Der Favorit wankte, aber er fiel nicht. Mit einer Energieleistung bogen die Hausherren in den letzten drei Minuten einen 3:5-Rückstand noch in ein 6:5 um.

Obwohl Igor Filobok schon nach 52 Sekunden zum 1:0 für sein Team traf, kam der große Favorit nicht richtig ins Spiel. Gästetrainer Alexander Rusch hatte seine junge Mannschaft optimal auf den Gegner eingestellt. Die Oberschwaben machten den Raum vor dem eigenen Tor so dicht, dass kein Durchkommen war. Reihenweise warfen sie sich in Schüsse, und fand die Scheibe doch mal den Weg durch die vielbeinige Abwehr, hatte der EVR mit Jordi Buchholz einen überragenden Goalie im Tor stehen, der die Eisbären-Stürmer reihenweise zum Verzweifeln brachte.

Während die Gastgeber mit der Brechstange versuchten das Ravensburger Bollwerk zu knacken, verlegten sich die Gäste aufs Kontern – im ersten Drittel zwar noch erfolglos, doch dann trafen sie gleich doppelt. Patrick Mayer (23. Minute) und Dennis Retzer machten mit einem Doppelschlag innerhalb von 55 Sekunden aus dem 1:0 ein 1:2. Noch war der erste Playoff-Sieg nicht in Gefahr, denn schon zwei Minuten später nutzte abermals Igor Filobok einen groben Patzer in der Ravensburger Abwehr zum 2:2.

Die bis dato stärkste Phase hatten die Eisbären dann nach 34 Minuten, als zum ersten Mal ein Spieler der Gäste auf die Strafbank musste. Zwei Minuten lang feuerten die Mannen um Kapitän Felix Kollmar aus allen Rohren, sie schnürten die Gäste vor deren Tor ein – und scheiterten ein ums andere Mal an Jordi Buchholz. Besser machten es die cleveren Gäste, denn Dennis Retzer brachte diese eine Minute vor der zweiten Pause mit 2:3 in Führung.

Was dann kam, war ein Drittel, das wohl in die Historie eingehen wird.

Nach knapp zwei Minuten stolperte Axel Hackert, der vor dem Spiel als „Eisbären-Spieler der Saison“ ausgezeichnet worden war, die Scheibe irgendwie zum 3:3 ins Tor. Eine Initialzündung für den Favoriten? Mitnichten, denn Spielertrainer Alexander Rusch brachte die Gäste mit einem Glückstor – die Scheibe prallte vom Schlittschuh von Sven Breiter ab und rutschte über die Linie – erneut in Führung.

Die Eisbären-Cracks wurden nun zusehends unruhiger, hatte man im bisherigen Saisonverlauf doch kein einziges Mal im Schlussdrittel einem Rückstand hinterher laufen müssen. Als Gästestürmer Patrick Mayer in der 48. Minute für zwei plus zwei Minuten auf die Strafbank musste und dann auch noch Marian Eisenbarth zwei Minuten erhielt, war die Chance für die Eisbären gekommen. Trainer Kai Sellers nahm eine Auszeit, die Fünf-gegen-drei-Überzahl sollte den Ausgleich bringen.

Doch wieder erwiesen sich die Gäste als Spielverderber und ließen kein Gegentor zu. Im Gegenteil, denn in der 55. Minute schloss Philipp Heckenberger einen Ravensburger Konter zum 3:5 ab.

So langsam mussten sich Zuschauer und Spieler gleichermaßen an den Gedanken gewöhnen, dass man mit einer Niederlage in die Playoffs starten und im zweiten Spiel in Ravensburg schon mit dem Rücken an der Wand stehen würde. Als dann auch noch Goalie Tobias Amon nach einem Schuss an den Hals regungslos auf dem Eis liegen blieb, war die Stimmung am Tiefpunkt.

Doch es war genau diese Verletzungspause, die die Wende brachte. Während Amon von den Sanitätern behandelt und wieder aufgepäppelt wurde, konnten sich die Eisbären an der Spielerbank nochmal besprechen – eine Initialzündung für das Team!

Kaum war Tobias Amon wieder einsatzfähig und das Spiel ging weiter, hämmerte Axel Hackert 2:53 Minuten vor dem Ende von der blauen Linie die Scheibe zum 4:5 in die Maschen. Die Eisbären witterten Morgenluft, und das Spiel entwickelte eine selten in dieser Form gesehene Eigendynamik. Als die Uhr noch 1:15 verbleibende Spielzeit anzeigte, schaffte es Sven Breiter irgendwie, die Scheibe unter dem am Boden liegenden Buchholz hindurch zum 5:5 über die Linie zu stochern. Das Tor wurde von den Schiedsrichtern zwar Milan Liebsch zugeschrieben, doch dies interessierte in diesem Moment keinen…

Jetzt war plötzlich wieder die Chance da, dem verloren geglaubten Spiel doch noch ein Happy End zu verschaffen. Deshalb gaben die Eisbären nun nochmal richtig Gas und warfen alles nach vorne – und fingen sich prompt einen brandgefährlichen Konter ein. Pascal Schoofs stand allein auf weiter Flur drei konternden Ravensburger Stürmern gegenüber, die diese Chance zum Siegtreffer jedoch hektisch vergaben. Im Gegenzug bediente Axel Hackert seinen freistehenden Nebenmann Igor Filobok, der keine Mühe hatte, 43 Sekunden vor dem Ende mit seinem dritten Tor den viel umjubelten Siegtreffer zum 6:5 zu erzielen.

„Das ist Playoff-Eishockey, da gelten einfach andere Gesetze“, sagte Axel Hackert, der an fünf der sechs Tore beteiligt war, nach dem Spiel. „Was in der Hauptrunde war, ist jetzt völlig uninteressant. Ob wir Erster und Ravensburg Achter war, hat heute keine Rolle mehr gespielt. Das waren zwei Teams, die beide unbedingt dieses Playoff-Spiel gewinnen wollten. Wegen solchen dramatischen Spielen wie heute will jeder Eishockeyspieler Playoffs spielen.“

Auch Trainer Kai Sellers hatte wenig später wieder seine Sprache gefunden: „Ich bin überglücklich und dankbar, dass die Jungs das Spiel noch drehen konnten. Ich denke, das war für uns heute ein guter Warnschuss zur rechten Zeit. Am Ende zählt nur der Sieg und dass wir jetzt zwei Chancen haben, um mit einem weiteren Sieg ins Halbfinale einzuziehen.“

Das zweite Spiel findet am nächsten Samstag, den 14. Februar um 17 Uhr in Ravensburg statt.