Eisbären

Niederlage und Verletzungen – schwarzer Sonntag für die Eisbären

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Erstmals in dieser Saison waren die Eisbären Heilbronn am Sonntag abend in Zweibrücken nahezu komplett zu einem Auswärtsspiel angetreten, doch am Ende der 60 Minuten trat nur noch eine überschaubare, um sechs Spieler dezimierte Truppe zum Händeschütteln mit den Gegnern an. Eine unerwartete 2:6 (0:1, 2:2, 0:3)-Niederlage beim Tabellenletzten, drei Knieverletzungen und drei Disziplinarstrafen standen zu diesem Zeitpunkt zu Buche. Doch der Reihe nach…

Die Zweibrücken Hornets legten wie auf eigenem Eis gewohnt los wie die Feuerwehr und erspielten sich die besseren Chancen, was Lukas Srnka in der 9. Minute zum 1:0 nutzte. Der Treffer hätte ein Weckruf für die Eisbären sein können – was er jedoch nicht war, war man doch auch bei den letzten Siegen in Zweibrücken jeweils mit 0:1 zurück gelegen und hatte das Spiel immer noch in Ruhe noch drehen können. So ging das erste Drittel ohne zwingende Eisbären-Chancen zuende.

27 Sekunden vor dem Drittelende spielte sich dann jedoch eine Szene ab, die den weiteren Spielverlauf und vermutlich auch den weiteren Saisonverlauf der Eisbären entscheidend beeinflussen sollte. Srnka rammte Eisbären-Quarterback Heiko Vogler so stark in die Bande, dass dieser mit einer Knieverletzung von den Sanitätern vom Eis gebracht wurde. Zwar ging Vogler Anfang des zweiten Drittels nochmal aufs Eis, doch nach einem Zusammenprall mit einem gegnerischen Spieler war für ihn das Spiel – und voraussichtlich der Rest der Saison – gelaufen. Mit Verdacht auf Kreuzbandriss musste Vogler aufgeben – ein harter Schlag für die Eisbären. „Das ist ganz bitter“, sagte Trainer Kai Sellers nach dem Spiel, „Vogi ist einer unserer Schlüsselspieler, er ist nicht zu ersetzen.“

Auch Mittelstürmer Marc Oppenländer musste Anfang des zweiten Drittels mit einer Knieverletzung passen. Zu den Verletzen gesellte sich zehn Minuten vor dem Ende auch noch Daniel Brendle, dessen Knie ebenfalls schwer in Mitleidenschaft genommen worden war.

Eishockey wurde auch noch gespielt, und zwar zunächst weiterhin von den Gastgebern, die in der 26. Minute durch Benjamin Anken das 2:0 erzielten. Doch schon im Gegenzug brach Eisbären-Neuzugang David Vetsch den Bann, als er eine Vorlage von Michael Filobok zum 2:1 verwertete. Wie Vetsch war auch Igor Dorochin erstmals mit von der Partie, wogegen die Eisbären noch auf den dritten Neuzugang Jozef Jambor verzichten mussten.

Dorochin legte in der 32. Minute auf Oliver Hackert auf, und dieser gleich zum 2:2 aus. Jetzt schien es wieder wie in Zweibrücken gewohnt zu laufen. Man hatte den Rückstand ausgeglichen und der Weg in Richtung Sieg war frei. Eigentlich – denn als Tomas Vodicka in der 39. Minute Eisbären-Verteidiger Florian Resch an der blauen Linie der Hornets foulte, blieb der fällige Pfiff aus. Vodicka dagegen passte auf den durchgestarten Benjamin Anken, der Goalie Marian Metz verlud und zum 3:2 traf. Mit der Schlusssirene landete zwar ein Nachschuss von Igor Dorochin noch am Pfosten, die die Eisbären mussten wieder mit einem Rückstand in die Pause gehen.

Das Schlussdrittel sollte dann nochmal denkwürdig werden. Erst schoss Benjamin Anken in der 43. Minute mit seinem dritten Treffer das 4:2, und dann kochten ab der 48. Minute die Emotionen über. Anlass war eine Zwei-Minuten-Strafe gegen Marian Metz, die sowohl den Keeper der Eisbären also auch so manchen anderen Eisbär in Rage brachten. Mit zwei Bankstrafen waren die Eisbären in dieser Situation noch gut bedient. Was sich in den Minuten danach abspielte, hatte dann aber nicht mehr viel mit Eishockey zu tun.

Mit jedem Check der Gegner und mit jedem Pfiff von Schiedsrichter Werner fühlten sich die Eisbären ungerechter behandelt. Erst wurde Rainer Scholl von der Bank verwiesen, dann bekamen Florian Resch (Reklamieren) und Igor Dorochin (Check gegen den Kopf) Zehn-Minuten-Strafen aufgebrummt und danach musste auch noch Tim Riedel wegen forgesetzter grober Unsportlichkeit mit einer eine Zehn-Minuten plus Spieldauer-Disziplinarstrafe zum Duschen.

Schiedsrichter Torsten Werner die Alleinschuld an der Eskalation zu geben, wäre zu einfach. Er hatte zu diesem Zeitpunkt aufgrund der Verletzungen – auch auf Zweibrücker Seite mussten Spieler von den Sanis behandelt werden – härter durchgreifen müssen. Auch die Eisbären-Spieler trugen ihren entscheidenden Teil dazu bei. Hätten sie ihre Emotionen besser im Griff gehabt und nicht jede gegnerische Aktion mit wütenden Protesten begleitet, wäre vielleicht noch etwas zu retten gewesen. So aber nutzte der Tabellenletzte mit diversen Sticheleien die Emotionen der aufgebrachten Eisbären clever aus und schoss zwei weitere Tore zum 6:2-Endstand, den die 300 Zuschauer feierten als wäre der Meistertitel geholt worden.

„Ich gratuliere den Hornets, sie haben sich diesen Sieg absolut verdient. Ich habe schon immer gesagt, dass sie nicht so schlecht sind wie es der Tabellenstand sagt“, meinte Kai Sellers nach dem Spiel, als sich die Emotionen wieder beruhigt hatten. Schwerer als die Niederlage wiegt jedoch die schwere Verletzung von Schlüsselspieler Heiko Vogler und die Knieverletzungen von Marc Oppenländer und Daniel Brendle, die den Eisbären am kommenden Samstag (20 Uhr) in Schwenningen fehlen werden.

Tore:
1:0 (9.) Srnka (Hartfelder/Neumann) +1
2:0 (26.) Anken (Amend/Vodicka) +1
2:1 (26.) Vetsch (Filobok/Hackert)
2:2 (32.) Hackert (Dorochin/Berhnardt) +1
3:2 (39.) Anken (Vodicka)
4:2 (43.) Anken (Pastorek) -1
5:2 (52.) Hartfelder +1
6:2 (54.) Hartfelder (Vodicka) +1

Strafen:
Zweibrücken 26 + 10 Minuten für Srnka
Heilbronn 28 + je 10 Minuten für Resch und Dorochin + 10 + Spieldauer für Riedel