Eisbären

„Sudden Death“ beim Final-Spektakel – Leo Kreps erlöst die Eisbären zum 5:4

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Der erste Schritt in Richtung Titelverteidigung ist gemacht. Und was für einer! Mit dem ersten „Sudden Death“-Tor der Vereinsgeschichte hat Leontin Kreps (Bild) die Eisbären Heilbronn zu einem 5:4 (2:1, 1:1, 1:2, 1:0)-Sieg über die Bietigheim Steelers Amateure geschossen und hat mit diesem Treffer ein rassiges und dramatisches Playoff-Eishockeyspiel zu Gunsten des zwischenzeitlich wankenden Favoriten beendet.

Die Begegnung enthielt alles, was ein Playoff-Finalspiel enthalten kann, und die 1.644 Zuschauer bekamen einen unglaublich spannenden Eishockeyabend serviert, der ihnen noch lange in Erinnerung bleiben wird. Doch beginnen wir ganz von vorne…

Kurz vor Spielbeginn sorgte die Sängerin Yvonne Luithlen mit der live vorgetragenen Nationalhymne für Gänsehaut-Atmosphäre in der Kolbenschmidt Arena, ehe der Heilbronner Oberbürgermeister Harry Mergel das Finale mit dem symbolischen Anfangsbully eröffnete (Bild unten).

Der „OB“ war noch kaum vom Eis gegangen, da brandete bereits der erste Jubel durch das Stadion. Milan Liebsch nutzte nach 24 Sekunden eine Unachtsamkeit in der Gäste-Abwehr zum 1:0.

Doch die Steelers ließen sich durch diesen frühen Rückstand nicht aus dem Konzept bringen und nahmen das Heft recht schnell in die Hand. Gleich zweimal hatte der ehemalige Eisbär Haiko Hirsch den Ausgleich auf dem Schläger, doch konnte er weder in der 3. noch in der 10. Minute die Scheibe ins Netz bugsieren. Die nächste große Chance für die Gäste hatte in der 12. Minute Pierre Dumont, doch der blendend aufgelegte Eisbären-Keeper Kevin Yeingst parierte glänzend. Die Hausherren hätten sich nicht beschweren können, wenn es zu diesem Zeitpunkt 1:1 gestanden hätte.

Doch dann musste Haiko Hirsch für die Steelers auf die Strafbank, und die Eisbären fackelten nicht lange: Manuel Pfenning erhöhte in Überzahl auf Zuspiel von John Kraiss und Igor Filobok auf 2:0 (13. Minute).

Doch auch dieser Treffer gab dem Titelverteidiger nicht die nötige Sicherheit. Die Eisbären agierten über weiter Strecken nervös, man merkte ihnen den selbst auferlegten Druck an und die Gäste blieben weiterhin die bestimmende Mannschaft. Deren Angriffsbemühungen wurden dann in der 16. Minute erstmals von Erfolg gekrönt, als Marcel Neumann zum 2:1 abstaubte. Kurz vor der ersten Pause traf Marco Windisch noch den Pfosten, so dass sich die Eisbären glücklich schätzten, dass sie die 2:1-Führung in die Pause retten konnten.

Im mittleren Spielabschnitt brauchte das Team von Trainer Kai Sellers nochmal rund fünf Minuten um sich endgültig von der Nervosität zu befreien und die Zügel in die Hand zu nehmen. Der Hauptrunden-Erste war nun das spielbestimmende Team, und John Kraiss konnte in der 27. Minute auf 3:1 erhöhen. Doch die Gäste blieben gefährlich, und erneut verkürzte Marcel Neumann in der 30. Minute auf 3:2.

Die nächsten zehn Minuten bis zur zweiten Pause hatten es dann in sich. In einem offenen Schlagabtausch scheiterte zuerst Sven Breiter im Alleingang, dann rettete Kevin Yeingst gegen Marco Windisch, ehe Igor Filobok schließlich noch einen Schuss an die Querlatte setzte. Doch die fälligen Tore blieben aus. Einen Aufreger gab es noch mit der Schlusssirene, als sich Sven Breiter und Bietigheims Goalie Max Häberle ins Gehege kamen und Breiter für zwei Minuten auf die Strafbank geschickt wurde.

Durch diese Strafe mussten die Eisbären das Schlussdrittel in Unterzahl beginnen, was Marco Windisch nach 89 Sekunden zum 3:3 nutzte.

Nun entwickelte sich ein Krimi, an dessen Dramaturgie sich selbst Altmeister Alfred Hitchcock die Zähne ausgebissen hätte. Das letzte Drittel hatte alles, nur die Tore fehlten. Je näher sich die Stadionuhr der 60:00 näherte, desto klarer wurde, dass das nächste Tor wohl entscheiden würde. Deshalb stockte den Zuschauern in der 57. Minute der Atem, als Bietigheims Marcel Göttfert auf dem Weg zum Tor von hinten gelegt wurde und die Schiedsrichter auf Penaltyschuss für Bietigheim entschieden. Der erst 17-jährige Youngster behielt die Nerven, verlud Kevin Yeingst und brachte die Gäste mit 3:4 in Führung.

Würden die Eisbären diesen Rückschlag verkraften und nochmal ins Spiel zurück finden können? Erinnerungen wurden dabei vor allem an das Heimspiel gegen Ravensburg in der ersten Playoff-Runde wach, als man fünf Minuten vor dem Ende das 3:5 kassiert hatte und dennoch am Ende noch 6:5 gewann – eine Erinnerung, die Mut machte und die Eisbären den Glauben an die eigene mentale und spielerische Stärke nicht verlieren ließ.

Und tatsächlich: Die Hausherren packten die Brechstange aus, und Milan Liebsch traf 1:44 Minuten vor dem Ende zum viel umjubelten 4:4-Ausgleich. Doch anders als noch Anfang Februar gegen Ravensburg konnte man den Siegtreffer nicht mehr drauf packen, kassierte dafür aber unnötige Strafzeiten. Erst erwischte es Sven Breiter mit zwei plus zehn Minuten, und dann musste 34 Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit auch noch Milan Liebsch auf die Strafbank. Drei gegen fünf – keine besonders optimistisch stimmenden Vorzeichen für die nun folgende Verlängerung.

Bevor diese beginnen konnte, mussten die Schiedsrichter erstmal in den Tiefen des Regelbuches nachblättern. Normalerweise wird in der fünfminütigen Verlängerung vier gegen vier gespielt – was jedoch zu diesem Zeitpunkt nicht möglich war, da die Eisbären durch die beiden Strafen zwei Mann weniger einsetzen durften, die Mindeststärke auf dem Eis aber drei Mann betragen muss. Deshalb musste die Verlängerung mit fünf Bietigheimern und drei Heilbronner Spielern beginnen, damit den Gästen der Vorteil nicht genommen wurde.

So begann die Verlängerung für die Eisbären also mit einem mehr als ungünstigen Drei-gegen-Fünf-Unterzahlspiel, das sie jedoch schadlos überstanden. Als die Strafen abgelaufen waren, wurde auf das reguläre Vier-gegen-Vier-Spiel umgestellt. Kaum war Milan Liebsch nach seiner Strafe wieder zurück auf dem Eis, ging es auch schon Schlag auf Schlag. Kapitän Felix Kollmar passte aus dem eigenen Drittel auf den rechts durchgestarteten Milan Liebsch, der die Scheibe maßgerecht in den Lauf des heranstürmenden Leontin Kreps legte, der wiederum seinem Gegenspieler enteilte und Goalie Häberle zum viel umjubelten „Sudden Death“-Treffer zum 5:4 überwand (63.). Das Spiel war beendet, die Eisbären hatten gewonnen und der Jubel kannte keine Grenzen (Foto unten).

„Uns war klar, dass das eine sehr schwere Aufgabe werden würde“, gab ein erleichterter Kai Sellers nach dem Spiel zu Protokoll. „Aber dass es dann so ein verrücktes Spiel wird… Ich sah unsere Felle schon davon schwimmen, und dann haben die Jungs mit viel Herzblut noch den Ausgleich und den Siegtreffer geschafft. Diese Moral zeigt, wie brutal stark unser Team tatsächlich ist!“

Auch Co-Trainer Sascha Bernhardt war nach dem Spielende geflasht: „Wir haben mit purem Willen das 4:4 erzwungen. Dann hat wieder komplett alles gegen uns gesprochen, und plötzlich sind wir da und machen aus der ersten Chance den Siegtreffer. Das ist Playoff-Hockey.“

Am nächsten Sonntag, den 29.3. findet nun um 17 Uhr das zweite Spiel in Bietigheim statt. Schaffen die Eisbären dort einen weiteren Sieg, wäre die Meisterschaft schon perfekt. Behält aber Bietigheim dort die Oberhand, würde es am Ostersonntag um 17.30 Uhr ein drittes und alles entscheidendes Spiel in Heilbronn geben.