Eisbären

Verrücktes 9:8 gegen Zweibrücken – der erste Schritt ist getan

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Finale-11

Es war eines der verrücktesten Eishockeyspiele, die sich in den letzten Jahren auf Heilbronner Eis abgespielt haben. Nach einem 3:4-Rückstand, einer 8:4-Führung und einem 8:8-Unentschieden konnten die Eisbären Heilbronn das erste Finalspiel der Regionalliga Südwest gegen die Zweibrücken Hornets vor über 2.000 Zuschauern mit 9:8 (2:2, 5:2, 1:4 – 1:0) nach Verlängerung für sich entscheiden.

„Wir müssen hinten stabil stehen und dürfen keine Konter zulassen, dann können wir es packen. Wenn wir uns dagegen mit offenem Visier auf ein Spiel mit vielen Toren einlassen, kann der Schuss nach hinten losgehen” – als hätte er hellseherische Fähigkeiten, hatte Headcoach Manuel Pfenning im Vorfeld des ersten Finalspiels genau vor dem gewarnt, was am Sonntag Nachmittag dann auch tatsächlich eingetreten ist.

Es waren noch keine zwei Minuten gespielt, da traf Ryan McDonald zum 0:1 für die Gäste. Es war ein Zeichen an die Eisbären, dass die im Stadion viel geteilte Meinung „Zweibrücken liegt uns besser als Bietigheim“ für diesen Abend nicht gelten würde. Patrick Luschenz traf zwar in der 7. Minute zum 1:1, doch die Gäste konnten genau das tun, vor dem Manuel Pfenning gewarnt hatte: Kontern!

In der 10. Minute sah sich Eisbären-Keeper Kevin Yeingst gleich drei allein auf und davon gezogenen gegnerischen Angreifern gegenüber, die die Scheibe in aller Seelenruhe hin und her schieben konnten, ehe Yeingst dem Treiben ein Ende setzte und die Chance vereitelte. In der 12. Minute war aber auch er machtlos, und McDonald stellte mit seinem Treffer zum 1:2 den alten Abstand wieder her.

Abgesehen von den gefährlichen Kontern der Gäste hatten die Eisbären mehr Spielanteile, und Mortiz Muth konnte in der 16. Minute im Zusammenspiel mit Sven Breiter den Ausgleich zum 2:2 erzielen.

Zu einem munteren Hin und Her entwickelte sich dann das zweite Drittel – die Zuschauer bekamen ein Spektakel mit sieben Toren geboten. Für den Beginn des Torreigens im zweiten Abschnitt sorgte erneut Ryan McDonald, der in der 23. Minute das 2:3 für Zweibrücken erzielte. Doch der Jubel war noch nicht richtig verstummt, da glich Benjamin Brozicek auch schon wieder zum 3:3 aus. 43 Sekunden später klingelte es erneut im Kasten von Kevin Yeingst – Michael Neumann hatte das 3:4 erzielt.

Das 4:4 durch Manuel Pfenning in der 26. Minute in Überzahl läutete dann die stärkste Phase der Eisbären ein, während sich die Hornets durch sechs Strafzeiten hintereinander selbst schwächten. Igor Filobok brachte sein Team in der 32. Minute erstmals in Führung und legte knapp drei Minuten später in Überzahl auch noch das 6:4 drauf. Als dann Manuel Pfenning mit zwei Mann mehr auf dem Eis zum 7:4 traf (39.), schien die Partie gelaufen.

„Auf der Strafbank gewinnt man eben keine Spiele“ – dies war in der zweiten Drittelpause der wohl meistgehörte Satz in der Kolbenschmidt Arena angesichts der Überzahltore der Eisbären. Doch diese alte Eishockey-Weisheit schien auch in der Kabine der Zweibrücken Hornets thematisiert worden zu sein, denn im Schlussdrittel blieb die Strafbank der Gäste durchgehend leer.

Doch bevor sich das diszipliniertere Spiel der Pfälzer auf das Spiel auswirkte, erhöhte John Kraiss in der 47. Minute nach klasse Vorarbeit von Spielertrainer Pfenning noch auf 8:4.

Was danach kam, waren die wohl verrücktesten zehn Minuten der Saison. Innerhalb von nicht mal zwei Minuten machten Lukas Srnka (49.), Maximilian Dörr (50.) und Marc Lingenfelser (51.) aus dem 8:4 ein 8:7. Das Momentum lag nun komplett bei den Gästen, während die Eisbären angezählt waren und einige Minuten brauchten, ehe sie sie sich wieder fingen.

Beim Stand von 8:7 ging die Begegnung in die letzten fünf Minuten. Würde den Eisbären das entscheidende 9:7 gelingen? Wann würde Hornets-Coach Martin Deßloch seinen Goalie Steven Teucke zu Gunsten eines sechsten Feldspielers vom Eis nehmen?

Sämtliche Gedankenspiele waren in dem Moment hinfällig, als Zweibrückens Verteidiger Florian Wendland plötzlich allein auf Kevin Yeingst zusteuerte und unter dem Jubel der rund 300 mitgereisten Hornets-Fans den Ausgleich zum 8:8 machte. Die Uhr war bei 57:49 Minuten stehen geblieben, die Eisbären hatten einen sicher geglaubten Sieg verschenkt. 8:8 statt 8:4. Die Verlängerung musste über den Sieger des ersten Finalspiels entscheiden.

Auch die fünfminütige Overtime war ein Wechselbad der Gefühle, ohne dass sich einer der beiden Kontrahenten den einen entscheidenden Vorteil erarbeiten konnte – bis die Zweibrücken Hornets nach 2:33 Minuten beim Wechsel patzten und eine Bankstrafe wegen unkorrektem Wechsel aufgebrummt bekamen. Jetzt bot sich für die Eisbären die Chance.

Beinahe hätten die Gäste in Unterzahl nach einem Puckverlust von Sven Breiter im Mitteldrittel einen erneuten Alleingang aufs Eisbären-Tor starten können, doch der Vorstand und Stürmer in Personalunion machte seinen Fehler wieder gut, setzte nach und erkämpfte sich die Scheibe, leitete den nächsten Angriff seines Teams ein – und wurde nach 63:42 Minuten zum Matchwinner, als er Teucke mit einem verdeckten Schuss zum 9:8 überwand und für den glücklichen Sieg der Eisbären im ersten Finalspiel sorgte.

Trotz aller Erleichterung und dem fast grenzenlosen Jubel auf Eis und Tribüne konnte man vereinzelte Eisbären-Verantwortliche mit versteinerter Miene durchs Stadion laufen sehen. Eine gefühlte Niederlage etwa? „Quatsch, morgen interessiert das keinen mehr. Wir haben das erste Spiel gewonnen und können nächste Woche mit einem weiteren Sieg den Titel verteidigen“, wiegelte Coach Pfenning ab. Dennoch war der 33-Jährige angefressen: „Wenn du das Spiel mit 8:4 eigentlich schon in der Tasche hast und dir dann einen Konter nach dem anderen einfängst, dann läuft etwas gewaltig falsch. Manche kapieren einfach nicht, dass man in einer solchen Situation nicht mehr mit offenem Visier nach vorne rennt. Dafür ist der Gegner zu gut. Wir haben diese Woche einige Arbeit vor uns.“

Am Ostersonntag um 19 Uhr findet nun das Rückspiel im Zweibrückener Hexenkessel statt. 1.400 Zuschauer werden in mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausverkaufter Halle auf die Eisbären warten. Unkonzentriertheiten wie in den letzten zehn Minuten des ersten Finalspiels darf man sich dort nicht leisten.

Auch hier nochmal die Info an die Eisbären-Fans: Wer während des heutigen Spiels keine Karte für das Spiel in Zweibrücken gekauft hat, sollte nicht „auf gut Glück“ in die Pfalz fahren und hoffen, dort noch eine Eintrittskarte kaufen zu können. Die Hornets haben mehrere Vorverkaufsstellen eingerichtet, und man geht davon aus, dass die Abendkasse geschlossen bleiben wird.